Rechte Spalte

Mutschli
Da ruhen sie nun, die Mutschli. 60 Tage lang werden die gut ein Kilo schweren Käsli liebevoll gepflegt, bis sie reif für den Verkauf sind.

6082: Alpkäserei Jaunpass
81 mal Nummer 6082, die Zahl der Alpkäserei Jaunpass.

Hauptinhalt

BERNER ALPKÄSE-MEISTERSCHAFT 2006

Warum Käser Gerber nervös ist

Auf 500 Berner Alpen wird gekäst. Auch auf dem Jaunpass. Jeden Sommer, solange die Kühe in frischer Bergluft herumgrasen, heizt hier Fritz Gerber das Kessi ein. Im Rahmen der «Gnuss-Wuche» kann man jetzt erstmals 100 Alpkäse nebeneinander testen. Wie die Jury.

Käser Fritz Gerber greift in den Käsebruch – und ist zufrieden
Käser Fritz Gerber greift in den Käsebruch – und ist zufrieden

Fein säuberlich werden sie aufgereiht da liegen. 100 Alpkäse. Am Sonntag, 27. August, ab 10 Uhr, hoch oben auf dem Jaunpass, am Übergang zwischen dem simmentalischen Boltigen und dem freiburgischen Jaun. 100 Alpkäse oder mehr! Angemeldet haben sich nämlich 30 Hobelkäse, also Alpkäse, die mindestens zweijährig sind. Plus 60 Schnittkäse der AOC-Kategorie «Coeur des Alpes» – etwas weniger poetisch ausgedrückt sind auch dies Alpkäse, aber erst 6 bis 18 Monate jung und dadurch noch weicher zu schneiden. Ebenfalls in den Wettbewerb steigen 25 Mutschli, kleine, herzige Käsli, die auch von einer normalgrossen Familie bewältigt werden können. Sie alle werden da sein. Und innerlich zitternd den Urteilsspruch der strengen Jury erwarten.

Jedes Stück Käsemasse muss in Form gedrückt werden, damit es in den Behälter passt. Dort tropft es ab und wird makellos rund.
Jedes Stück Käsemasse muss in Form gedrückt werden, damit es in den Behälter passt. Dort tropft es ab und wird makellos rund.

Zittern und warten werden natürlich nicht die Käslein und Käse, die werden stoisch da liegen wie vorher monatelang im Käsekeller. Umso nervöser werden ihre Macher, die Käser und Sennen die Rangverkündigung um 14 Uhr erwarten. Für sie geht es um viel. Nicht nur um Punkte und Preisgeld. Sondern um Prestige, Ruhm und Ehre. Es ist ein erhebendes Gefühl für den Käser, die Sennerin, wenn die eigene Arbeit eines ganzen Sommers von Fachleuten mit 100 Maximalpunkten, einem ersten oder zweiten, dritten Rang belohnt wird und der eigene Käse diplombekränzt ganz zuvorderst auf dem Tisch zu liegen kommt. Auf jenen Tisch im Restaurant Taverne auf dem Jaunpass, der am besagten Sonntag für die Käser zur Bühne wird, welche die Welt bedeutet.

Daniela Ramseier
Daniela Ramseier schöpft den letzten Rest der Molke (Sirte) von der gepressten Masse ab. Diese schneidet sie akkurat in 81 Stücke.

Alle werden sie da sein, die Väter und Mütter der 100 Alpkäse aus allen Ecken des Berner Oberlands, die sich der Konkurrenz und dem Preisrichter stellen. Da sein wird – so hoffen die Veranstalter der «Gnusswuche» und die Organisatoren der 8. Berner Alpkäse-Meisterschaft – auch ein zahlreiches Publikum. Denn erstmals ist jedermann als «Versuchskaninchen» geladen. Man darf von 10 bis 15 Uhr von jedem Käse so viele «Versucherli» mampfen,wie man mag. Und dabei fröhlich vergleichen, Alp gegen Alp, eigenes Urteil gegen das Urteil der Jury. Dem Vergleich stellen muss sich auch Fritz Gerber, der Jaunpass-Käser. 172 000 Liter verkäst er jeden Sommer für die Genossenschaft von 24 Bauernfamilien.

Statt die 900 Liter Milch in geronnenem Zustand wie einst mit dem Käsetuch zu heben, werden sie ins Käsebecken gepumpt.
Statt die 900 Liter Milch in geronnenem Zustand wie einst mit dem Käsetuch zu heben, werden sie ins Käsebecken gepumpt.

Und dies so gut, dass Gerber 04 und 05 beide Male mit seinem Mutschli den 1. Rang holte.Auch sein Alpkäse platzierte sich mit einem 2. Rang an der Olma 05 in vorderster Front. Verkauft wird der Jaunpass-Käse von Juni bis Oktober täglich im eigenen Lädeli, er ist aber auch in guten Käsefachgeschäften und in den Regalen von Coop und Migros anzutreffen. Falls Fritz Gerber wiederum die höchste Punktzahl holen sollte,werden sie ihm den Käse, das ist sicher, wie die warmen Weggli aus den Händen reissen.
Elsbeth Hobmeier

Zurück